Dass sich starke Änderungen der Windgeschwindigkeit an den Leinen bemerkbar machen ist unvermeidbar. Sie sollten sich in Zugkraftzunahme und Geschwindigkeitszunahme bemerkbar machen. Eine Möglichkeit diesen unerwünschten, aber unvermeidbaren Effekt einzudämmen, ist es, die Schleppkante frei atmen zu lassen (lösen der Saumschnur), was aber mit einer deutlichen Geräuschzunahme einhergeht. Eine Extremform der Umwandlung von variierender Windgeschwindigkeit ist das Aufschwingen. Dies passiert, wenn Stäbe in Resonanz geraten und sollte unbedingt vermieden werden. In der Praxis tritt es auf, wenn beispielsweise in der Leitkante ein Stab gewählt wurde, der ein im konkreten Anwendungsfall ungünstiges Verhältnis von Masse zu Rückstellvermögen hat. Der Stab wird dann vom Wind vielfach kurzzeitig deformiert und kann der Belastung nicht mehr folgen. Er schwingt dann nicht im Gleichtakt mit der Belastung - erkennbar ist das in der Leitkante daran, dass der Drachen mit den Flügeln schlägt. Abhilfe schafft hier nicht ein steiferer Stab, sondern einer, der schneller reagiert. Dies wird durch weniger Masse an der Flügelspitze erreicht, beispielsweise durch konisches Gestänge. Das Aufschwingen kann sich auch in einem Strömungsabriss äussern. Der Drachen stallt dann in einem Windloch sofort und baut zu langsam wieder Druck auf, um dem Wind zu folgen. Man hat dann das Gefühl, der Kontakt zum Wind würde fehlen. Schnelleres Gestänge niveliiert diesen Effekt so aus, dass der Drachen gar nicht erst stallt, sondern einigermaßen gleichmäßig durch den löchrigen Wind geht. Diese Effekt ist zum Beispiel deutlich spürbar, wenn man den gleichen Drachen jeweils einmal mit Skyshark PT5 und Aerostuff Gold S in der Leitkante bestabt und die Spreizen einmal mit Nitros und einmal mit Aerostuff Gold. Der Drachen mit Aerostuff fliegt bei identischer Abstimmung deutlich gleichmäßiger bei schlechtem Wind.
Zur Stabwahl:
Wenn die PT3 in der unteren Querspreize gut funktionieren, würde ich in der Leitkante etwas ähnliches verwenden. Es spricht absolut nichts dagegen, auch PT3 zu verwenden. Von zylindrisch gewickeltem Gestänge in der Leitkante halte ich aus dem oben beschriebenen Grund überhaupt nichts. Der Sinn der Verwendung von P2X in der Leitkante (damit kann man Venteds bestaben) und PT3 in der unteren Querspreize (gutes UL-Universalgestänge) erschließt sich mir beim besten Willen nicht. Wenn ein Drachen eine derartige Massenverteilung benötigt, hakt es an anderer Stelle und mit einer modernen Waage sind die PT3 in der UQS sicher schneller am Ende, als dass die P2X sich aufschwingen. Dass bei solch einem Stabmix Probleme auftreten, ist absehbar. Das heißt nun nicht, dass Drachen mit P2X in der Leitkante grundsätzlich nicht fliegen, sie sollten dann aber auch dazu passende Querspreizen, beispielsweise Nitros, haben und ich kenne keinen Drachen, in dem sich eine Leitkante aus P2X besser schlägt, als eine aus PT5. Eventuell fehlende Schwungmasse kann man dann zielgerichtet dort einbauen, wo sie weniger Probleme bereitet, als in der Flügelspitze, beispielsweise ins untere Kielende.
Gruß
Heiko